Rasse-Portrait
GREYHOUND
Inhalt:
Allgemeines Greyhounds
sind im
deutschen Straßenbild selten anzutreffen.
Wenn sie doch ab und an mal auftauchen, erregen sie aufgrund ihres
extravaganten Aussehens schnell Aufsehen. Die Zuordnung "Windhund"
gelingt den Passanten häufig noch, den eigentlichen Rassenamen
"Greyhound" kennen die meisten nur von den gleichnamigen amerikanischen
Bussen. Dass es sich um sehr schnelle Hunde handelt, um die, "die auf
der Bahn rennen müssen", fällt auch noch einigen ein,
mehr Wissen über die Rasse ist aber nicht vorhanden. Dabei ist
der Greyhound weit mehr als "nur" die schnellste Hunderasse der Welt:
"Indeed, of all dog
breeds, none is more steeped in history than the
Greyhound, nor is there any breed quite so romantic.” (Roy
Genders) zurück
zum Seitenanfang Geschichtliche
Entwicklung Ursprung und Geschichte:
Im Greyhound haben wir den "klassischen"
europäischen kurzhaarigen Windhund vor uns. Er wurde
vermutlich von den Kelten auf die britischen Inseln gebracht. Hunde
dieses Typus waren aber auch im gesamten europäischen Raum
vorhanden und hochgeschätzt. Die Hetzjagd mit dem Greyhound,
vorwiegend auf Hasen, avancierte zu einem der bevorzugten
Freizeitvergnügen des Adels (der bis ins Mittelalter das
alleinige Privileg hatte, Greyhounds zu besitzen) und hatte schon im
Altertum den Charakter eines Sports. Seine
außerordentliche Wertschätzung spiegelt sich
über die Jahrhunderte in zahlreichen künstlerischen
Darstellungen wieder, in denen er häufig in engster
Gemeinschaft mit seinen Besitzern abgebildet wurde. Faszinierend
für den heutigen Liebhaber ist die Tatsache, daß
viele dieser dargestellten Hunde einem Typ entsprechen, der auch heute
noch auf Zuchtschauen vorzeigbar wäre.
| Die
Einführung
des Rennens hinter dem mechanischen Hasen
anfangs des 20. Jahrhunderts brachte den entscheidenden Einschnitt in
der Entwicklung der Rasse. Der Greyhound wurde vom
hochgeschätzten Jäger und Begleiter zum
bloßen Wegwerfprodukt für die Unterhaltung der
Massen degradiert. Gefragt waren nicht mehr sein sanfter Charakter,
Robustheit, Ausdauer und Wendigkeit im Gelände, das einzige
Kriterium ist seitdem die Geschwindigkeit auf gepflegter Bahn. |  | 24.
Deutsche Kurzstreckenmeisterschaft 2007 |
Die
Hunde werden in den
Ländern, in denen der Profirennbetrieb
mit Wetten erlaubt ist, zu Tausenden produziert, zu Hunderten in
Zwingern gehalten und ihr einziger Lebenszweck ist die
Gewinnmaximierung ihres Besitzers. Wer nichts mehr bringt, wird
ausrangiert und auf die eine oder andere widerwärtige Art und
Weise "erledigt". Das Gnadenbrot fristen nur einzelne wenige, die
vielleicht noch für die Zucht gebraucht werden; die
überwiegende Mehrzahl läßt man keine vier
Jahre alt werden. Doch nicht das Hunderennen an sich ist die
Quälerei, sondern die gnadenlose Ausnutzung im rein
gewinnorientierten Profibetrieb. Hierzulande liegen die
Verhältnisse glücklicherweise anders. Das Rennen hat
ausschließlichen Hobbycharakter, Geld wird keines verdient,
und die Rennhunde sind in erster Linie vielgeliebte Hausgenossen; und
das selbstverständlich auch nach der Beendigung ihrer
Bahnkarriere. Die Spaltung
der Rasse in einen Renn- und einen
Ausstellungstyp ist
heutzutage als vollzogen zu bezeichnen: der Showgrey ist im allgemeinen
größer, stärker gewinkelt, eleganter und
augenfälliger, der Renngrey gedrungener, kleiner,
leichtknochiger aber stärker bemuskelt - was
natürlich nicht heißen soll, daß es bei
letzteren nicht auch ausgesprochen hübsche und ansprechende
Hunde gibt. zurück
zum Seitenanfang Haltung
und Wesen Die jahrtausendalte
Tradition des Greyhounds, immer
schon neben seinem Einsatz für Jagd und Coursing auch im
engsten Kontakt mit seinem Besitzer zu stehen und Begleiter (und auch
vielfach Statussymbol) zu sein, hat sich in seinem Wesen bis heute
erhalten. Von einigen Clownereien und Kapriolen in Jugendjahren
abgesehen, gibt es kaum einen angenehmeren und sanfteren Begleiter. Im
Rudel zeigt er wenig Expansionstendenz, ein Hund dieser
Größe muß aber selbstverständlich
in seine Schranken gewiesen werden, soll er nicht im
Überschwang Schaden anrichten. Aggressivität ist eher
nicht zu erwarten, dafür aber in jungen Jahren ein gewisser
Ungestüm, der bei einem gut 70 cm hohen und über 30
kg schweren Hund beim Besitzer entsprechende physische Gewachsenheit
fordert. Bemerkenswert ist seine
geradezu fanatische Anhänglichkeit, er
ist mitunter wie eine "zweite Haut", was durchaus auch einmal
lästig werden kann. Wachhundeigenschaften sind wenig bis gar
nicht vorhanden; ein Fremder wird vielleicht ein, zweimal verbellt, um
danach entweder stürmisch begrüßt oder aber
gelangweilt ignoriert zu werden. Anderen Hunden gegenüber
verhält sich der Greyhound meist
zurückhaltend-freundlich; die vielbefürchteten
Angriffe aufgrund Verwechselung mit "Jagdbeute" sind höchstens
bei extrem isoliert aufgezogenen und gehaltenen Tieren (meist aus dem
Profirennbetrieb ausrangierte Rennhunde, die ihr bisheriges Leben
ausschließlich im Käfig verbracht haben) denkbar.
Diesem Verhalten läßt sich aber häufig in
kürzester Zeit gegensteuern, wie die vielen erfolgreich
resozialisierten "Rescue"-Greyhounds beweisen. Das von Grund auf sanfte
Naturell des Greyhounds ermöglicht es in vielen
Fällen, einen gequälten "Kaspar-Hauser"-Hund mit
verhältnismäßig geringem Zeit- und
Arbeitsaufwand in einen großstadttauglichen Begleithund zu
verwandeln. Eine Garantie dafür gibt es natürlich
nicht! Über den
Jagdtrieb des Greyhounds muß man
sich in freiem Gelände stets im Klaren sein und die Augen
offenhalten! Es liegt natürlich viel an der Erziehung, ob aus
dem Greyhound ein unter erhöhter Aufmerksamkeit
freilauftauglicher Hund oder ein unkontrollierbarer Hetzer wird. Das
Bewegungsbedürfnis selbst ist weitaus geringer als
häufig angenommen. Ein Greyhound, der sich ohne Leine austoben
kann, ist mitunter nach einer Stunde über die Wiesen flitzen,
traben und herumschnüffeln erschöpft und zufrieden,
ein ausdauernder Läufer ist er nicht. Ihn dagegen mit
für ihn langweiligem Nebenhertrotten an der Leine auszulasten,
erfordert einigen Zeitaufwand. Langandauerndes Fahrradtraining in immer
gleicher Geschwindigkeit womöglich noch auf hartem Untergrund
richtet oft mehr Schaden an als daß es nützt. Der
Besuch der Rennbahn in vernünftigen Maßen und bei
entsprechender Vorbereitung ist ein Vergnügen für
Hund und Besitzer, aber er ist nicht zwangsweise notwendig für
das Wohlbefinden und die artgemäße Haltung, und
schon gar kein Ersatz für freien Auslauf. Die
Haltung des Greyhound
ist trotz seiner Größe
problemlos auch in der Großstadt möglich, auch
beengte Wohnverhältnisse stören
allerhöchstens den Besitzer, nicht seinen Greyhound; der ist
höchstzufrieden, wenn er seinen Platz auf Bett oder Sofa
einnehmen und seiner in der Wohnung bevorzugten Tätigkeit
nachgehen kann: dösen. Ob drumrum 40 oder 200 Quadratmeter
Wohnfläche sind, interessieren ihn nicht. Und freier Auslauf
ist in wildfreien Parkanlagen (sofern erlaubt) wesentlich einfacher und
streßfreier zu praktizieren als in Feld und Flur. Bei der
Anschaffung eines Greyhounds sollte der spätere
"Verwendungszweck" bekannt sein. Ist man von vorneherein gewillt, mit
seinem Hund an Rennen oder Ausstellungen teilzunehmen, empfiehlt sich
natürlich die Suche nach einem Züchter mit
Schwerpunkt auf dem einen oder anderen Gebiet. zurück
zum Seitenanfang Auswahl
eines Welpen
Angenehme Haus- und Begleithunde sind sie alle
beide – egal ob Show- oder Renngrey. Von klein auf sollte der
junge Greyhound Gelegenheit haben, in unterschiedlichstem
Gelände zu rennen und zu toben, damit er lernt, seine
Geschwindigkeit und Kraft wohldosiert einzusetzen. Andernfalls
wäre die Verletzungsgefahr bei unkontrolliertem Fullspeed viel
zu hoch. Soll der Hund später einmal auf die Rennbahn kommen,
sollten neben den reinen Rennerfolgen auch die Robustheit und
Verletzungsunanfälligkeit der Elterntiere bei der Auswahl
eines Züchters Beachtung finden. In nur einer Saison
ausschließlich auf Sand gelaufene Spitzenzeiten sagen leider
nichts darüber aus, dagegen ist ein Renneinsatz der
Elterntiere über mehrere Jahre und auf unterschiedlichen
Rennbahnen (nicht nur auf Sand) auf alle Fälle ein gutes
Argument für einen Besuch beim betreffenden Züchter. Im
Prinzip gelten diese
Kriterien natürlich auch für
den Erwerb eines "Nur-Haushundes" -
einseitige Auslese nur auf
Geschwindigkeit ist der Gesundheit des Hundes sicherlich nicht
zuträglich. Unter diesem Aspekt verliert auch der alte Satz
"Leistungszucht ist gesunde Zucht" an Gültigkeit. Definiert
man hingegen als Leistung nicht nur die reine Geschwindigkeit, sondern
eben auch Robustheit und Langlebigkeit, sieht das natürlich
ganz anders aus. Man vergesse nie - das ursprüngliche
Zuchtziel war ein jagdtauglicher Hund, nicht ein
Hochgeschwindigkeitsläufer im gepflegten Oval! Abschließend
bleibt zu hoffen, daß der Greyhound
das Image eines Sportgerätes und Wettobjekts verliert und
seine zukünftigen Liebhaber aufgrund seiner angenehmen
Begleithundeigenschaften und nicht aufgrund von Zehntelsekunden findet.
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mit freundlicher
Genehmigung von Frau Barbara Keßler Danke
auch an das AdMinTeam des WRCV-Landstuhl für das Foto
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